Novák Zsombor Péter | zsombito

A sokszínűség palettáján

Auf der Palette der Vielfalt

in Személyes történetek - Personal Stories

In den letzten Tagen haben sich Freunde, Bekannten und Leser bei mir gemeldet und gefragt, was ich von der Krise halte. "Ich brauche eine beruhigende Stimme." - sagten viele. Und so sind auch Menschen, die eigentlich nur wegen dem Recht des letzten Wortes in meinem Leben waren, von dem Sichtfeld verschwunden. Allerdings muss ich sowohl die Interessenten, die Schmeichler als auch die Kritiker enttäuschen, denn ich bin nicht gut darin.

In dieser Schrift wende ich mich vor allem an diejenigen, die glauben, alles zu wissen, die ihre Angst, auch unabhängig von der Krise, aus der Überlegenheit über andere ableiten, die Zärtlichkeit als Schwäche bezeichnen, die ihr Leben ohnehin in Quarantäne leben: in geistiger Quarantäne.

Ich befinde mich gerade in der Phase der Vertiefung ins Schreiben. Aber in diesem Prozess muss ich die Tatsache akzeptieren, dass ich nur ein winziger Farbton auf der Palette der Vielfalt der Welt bin. Winzig, und doch weiß ich, dass ich ohne die anderen Farben nicht derjenige wäre, der ich bin. Ich weiß genau, dass, wenn eine Farbe lange auf der Palette wartet, um endlich auf einem Kunstwerk zu leuchten, kann sie sich nutzlos anfühlen und kann befürchten, dass sie austrocknet, bevor sie auf einem Kunstwerk zum Leben erwacht. Dann fällt die Last der Einsamkeit auf sie, und die Einsamkeit bringt seinen Träger zunächst zur Verzweiflung: sie beginnt Lärm zu machen, sogar zu schreien, um bemerkt zu werden. Sie muss noch reifen. Ihre Zeit ist noch nicht angekommen. Aber gibt es eine Farbe, die kein Maler jemals auf die Leinwand malen möchte? Ist der ständige Rivalität mit den anderen wirklich die Lösung für unsere eigenen inneren Kämpfe? Vielmehr scheint es mir, dass wir im Spiegel der sich ständig verändernden Welt unsere Rollen kriegen und uns in unsere Tube zurückziehen, um uns auszuruhen, indem wir die Veränderung wahrnehmen und akzeptieren.

Wenn ich mich umschaue, sehe ich, dass viele Menschen - immer mit Rücksicht auf die Ausnahme - vorschnell und oft gewaltsam für eine Rolle kämpfen, mit der sie sich später nicht identifizieren können. Das Pöbelei mündet in Klügelei, so dass die Farbe schließlich von der Leinwand abrollt, ihr Glanz verblasst, ihre Sättigung bald zu Rissen wird, und entlang der Risse, wie ein Virus, das ganze Werk in die Tiefe gezogen wird. Sie war nicht bereit, verstand ihre Funktion nicht. Und was ist das Schicksal dieser halbfertigen Kunstwerke? Sie bleiben im Schatten der Vergangenheit gefangen, schweben ziellos im Düster, und schließlich hallen nur noch die Klänge der Verzweiflung aus der Ferne. Der Auswahl muss immer das Vertiefen und das Leiden vorausgehen. Immer.

Foto: @zsombito

Deshalb muss ich diejenigen enttäuschen, die sich haben vorgaukeln lassen, dass sie alles und zu jeder Zeit machen können.

Es steht mir nicht zu, das wirtschaftliche Risiko der Pandemie zu beurteilen, denn ich weiß es nicht. Es steht mir nicht zu, zu beurteilen, welche Art von Schutzmaske zu tragen ist, denn ich weiß es nicht. Es steht mir nicht zu, zu beurteilen, wann ich in Heimquarantäne ziehen werden sollte, denn ich weiß es nicht. Die endlose Tuerei ist ein immerwährendes zerstörerisches Phänomen der Menschheit. Als nach Carl Sagans Idee im Jahre 1990 das erste Selfie über die Erde aus einer Ferne von rund 6 Milliarden Kilometern gemacht wurde, bekrönte der Astronom das atemberaubende Foto mit folgender atemberaubender Rede:

Sehen Sie sich diesen Punkt noch einmal an. Dieser Punkt ist hier. Er ist unser Zuhause. Wir sind das. Darauf hat jeder, von dem ihr je gehört habt, jeder Mensch, der je gelebt hat, sein Leben gelebt. Die Gesamtheit aller unserer Freuden und Leiden, Tausender von sich selbst überzeugten Religionen, Ideologien und ökonomischer Doktrinen, jeder Jäger und Sammler, jeder Held und Feigling, jeder Schöpfer und Zerstörer von Zivilisationen, jeder König und Bauer, jedes verliebte junge Paar, jedes hoffnungsvolle Kind, jede Mutter, jeder Vater, jeder Erfinder und Entdecker, jeder Lehrer der Moral, jeder korrupte Politiker, jeder Superstar, jeder oberste Führer, jeder Heilige und Sünder in der Geschichte unserer Spezies lebte dort auf einem Staubkorn in einem Sonnenstrahl.

Die Erde ist eine sehr kleine Bühne in einer riesigen kosmischen Arena. Denken Sie an die Ströme des von all diesen Generälen und Kaisern vergeudeten Blutes, auf dass sie in Herrlichkeit und Triumph für einen Moment Meister eines Bruchteils dieses Punktes würden. Denken Sie an die endlosen Grausamkeiten, die von den Bewohnern einer Ecke des Punktes an kaum unterscheidbaren Bewohnern einer anderen Ecke des Punktes begangen wurden. Wie häufig ihre Missverständnisse sind, wie eifrig sie darin sind, einander zu töten, wie glühend ihr Hass ist.

Unser stolzes Posieren, unsere eingebildete Wichtigkeit, unser Irrtum einer privilegierten Position im Universum wird von diesem blassen blauen Punkt hellen Lichts in Frage gestellt. Unser Planet ist eine einsame Flocke in der großen umhüllenden kosmischen Dunkelheit. In unserer Dunkelheit – in all dieser Weite – gibt es keinen Hinweis, dass Hilfe von anderswo kommen wird, um uns vor uns selbst zu retten.

Die Erde ist zurzeit der einzige Ort, der fähig ist, dem Leben Heim zu geben. Es gibt, zumindest für die absehbare Zukunft, keinen anderen Ort, an den unsere Spezies umsiedeln könnte. Besuchen ja. Sich ansiedeln, noch nicht. Ob es uns gefällt oder nicht, in diesem Moment ist die Erde der Raum, wo wir standhalten müssen..

Man sagte, dass Astronomie eine bescheiden machende, und ich könnte hinzufügen, eine charakterbildende Erfahrung ist. Meiner Meinung nach gibt es vielleicht keine bessere Demonstration der Dummheit der menschlichen Einbildungen als dieses ferne Bild von unserer kleinen Welt. Mir unterstreicht sie unsere Verantwortung, freundschaftlicher und mitleidsvoller miteinander umzugehen und diesen blassblauen Punkt, das einzige Zuhause, das wir je gekannt haben, zu bewahren und zu pflegen.

Ich hoffe ehrlich, dass jeden Tag während dieser Pandemie und darüber hinaus, irgendwo die Möglichkeit einer Rückkehr des Vertrauens gegenüber unseren Mitmenschen auftaucht: in einem Lächeln, in einem halb gesprochenen Wort, in einem Blick, in einer Baumpflanzung, in einem Gedicht, in einem Glas Wein.

Und ich hoffe ehrlich, dass diejenigen, die bisher nicht gesehen haben, sich endlich trauen, sich umzusehen, und dass diejenigen, die bisher nicht gehört haben, endlich die Stille in sich selbst hören zu können!

Was ist nun deine Aufgabe auf der Erde?

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