Meine Schriften Religion und Spiritualität | Leben und Beruf | Tabus

A szellem haláltánca

Der Totentanz des Geistes

in Leben und Beruf

Bertalan Thuróczy besuchte ebenfalls das Gymnasium in Szolnok, mit einigen Schulgängen unter mir. Er suchte mich als Sportkamerad wegen meiner Schrift über das Laufen auf. Damals wusste ich noch nicht, dass ich mich mit einem jungen Mann getroffen habe, der zwar jünger als ich ist, doch werde ich ihn - sonder allen Zweifel - bald als Vorbild ehren. Er erzählte mir, dass es bei ihm im Alter von 21 rechtsseitiger Hodenkrebs und Lymphknotenmetastase diagnostiziert wurde. Es ist keine Übertreibung zu sagen, dass er in den Schatten des Todes geraten ist, wo neben der physischen Herausforderung auch der Kampf mit dem Geist eine entscheidende Rolle gespielt hat: die Frage war Sterben oder Leben. Es ist schon fünf Jahre her. Seitdem ist er schon vollständig geheilt, aber was noch besonderer ist, dass sein Leben einen echten Gesinnungswandel genommen hat. Grüßen Sie bitte mit reinem Herzen diesen lächelnden, zielstrebigen und äußerst energischen jungen Mann, der sich mit den wichtigsten Fragen des Lebens konfrontiert hat!

Hier ist das Interview:

– Welche Art von Erziehung hast du Zuhause erhalten?

Ich wurde in Rákóczifalva, in einem Dorf in der Nähe von Szolnok aufgewachsen, und bin in dieser Umgebung erwachsen. Meine Eltern versuchten mir die Liebe zur Arbeit weiterzugeben: als Kind habe ich Mais gehackt, Melonen und Sauerkirsche gepflückt. Sie haben mich erzogen um „ehrlich zu arbeiten und zu leben“.

– Was waren deine Kindheitsträume?

Mein größter Traum war: als Erwachsener ein Mähdrescherfahrer zu werden. Wir haben einen riesigen Acker vor unserem Haus, ich habe immer die Erntemaschinen angeguckt. In der Grundschule habe ich doch schon gewusst, dass ich Ingenieur werden möchte.

– Wie bist du darauf gekommen?

Ich liebte Mathematik, Physik und war daran interessiert, wie die Natur funktioniert. Konkret wusste ich nicht, was für ein Ingenieur ich sein würde, aber ich war mir sicher, dass ich etwas schaffen will, das Wert vermittelt und etwas Unvergängliches zustande bringt.

– Hast du darüber schon als Jugendliche nachgedacht?

Ja. Stell dir mal vor eine konkrete Szene, an die ich mich noch gut erinnere: ich habe als Kind in dem Garten Holz gehackt, auf die Pußta gestarrt, und dort, in der Mitte von Nichts habe ich darüber nachgedacht, welchen Sinn dieses Ganze hat, das Leben. Ich war unglaublich introvertiert und zurückgezogen.

– Wie wurde sich dein Weg später gestaltet?

Ich begann alles in Rákóczifalva in einer allgemeinen Grundschule, habe gehackt und Sauerkirsche gepflückt. Danach geriet ich in ein Gymnasium in Szolnok. Ich war ein guter Student, also wurde ich nach meinem Abitur in die Fakultät für Elektroingenieur aufgenommen, aber selbst dort hatte ich das Gefühl, dass ich mich nur angestellt habe: es gibt 1000 Ingenieurstudenten außerhalb von mir, aber ich habe noch nichts Unvergängliches geschaffen. Um ehrlich zu sein: dank meiner Krankheit weiß ich mein Lebensziel.

– In welchem Alter bist du krank geworden?

Ich war 21 Jahre alt. Damals war ich im zweiten Jahrgang der Universität.

– Welche Symptome hast du bemerkt?

Die typischen körperlichen Symptome von Hodenkrebs: Ausstrahlung von Schmerzen in den Unterleib, tastbare Knötchen. Aber diese waren eigentlich nur Manifestationen meiner seelischen Symptome. Die seelischen Symptome sind ja schon viel früher erschienen. Es ist schwer zu formulieren, aber mein Unterbewusstsein bereitete sich schon auf das große Unglück vor.

– Wie meinst du das?

Ich bin 20 Kilometer in der Pußta gelaufen, obwohl ich auf keinen Wettkampf vorbereitete. Damals wusste ich noch nicht, dass ich mit einer bösartigen Krebserkrankung umgehen muss. Mein Unterbewusstsein hat einfach angedeutet, dass ich mich gegen jemanden oder gegen etwas vorbereiten muss. Dieser jemand - als es sich später herausgestellt hat - war ich selbst.

– Weiß du was die Quelle deiner seelischen Problemen war?

Ich dachte, dass ich glücklich werde, wenn ich in ein Gymnasium in Szolnok gerate, weg von meinem Zuhause. Als ich schon dort war dachte ich fünf Jahre lang, dass ich dann glücklich werde, wenn ich nach Budapest umziehe und endlich ein Ingenieurstudent werden kann. Als ich schon in Pest war und bereits Ingenieurstudent wurde, dachte ich, dass ich dann glücklich werde, wenn ich endlich als Ingenieur arbeiten kann. Dabei konnte ich jedoch nie glücklich sein, weil ich mich immer nach dem sehnte, was ich noch nicht erreicht hatte.

– Du bist krank geworden. Es war spät, aber du bist zum Arzt gegangen, der dich damit konfrontiert hat, dass du sterben würdest, wenn die Behandlung nicht beginnt.

Ja, es war so. Bei mir wurde eine fortgeschrittene Lymphknotenmetastase diagnostiziert.

– Wie hat es sich angefühlt, mit der Möglichkeit deines eigenen Todes gegenüberzustehen?

Es war, als hätte ein Albtraum begonnen, aus dem man nicht aufwachen kann. Es war ein völlig vernichtendes Gefühl. Zuerst wollte ich nicht einmal die Behandlung durchführen lassen. Ich war unfähig den Ernst der Lage zu erfassen. Natürlich habe ich dies der Außenwelt so mitgeteilt, dass „es ein kleines Problem gibt, aber die Situation kann gelöst werden“. Dies ist immer noch ein Tabuthema, man schämt sich, was für einen Mann eine enorme Belastung sein kann.

– Hast du dazu geneigt, den Tod zu wählen?

...Wie soll ich das formulieren?

– Ja oder nein?

Ja, aber wegen meinem Instinkt des Lebenswillens wurde es bald unterdrückt. Ich habe tagelang darüber nachgedacht, ob ich die Behandlung durchführen soll, aber der Arzt sagte, dass ich innerhalb eines Jahres sterben würde, wenn ich sie nicht durchführen würde. Das war der Impuls, der mir klar machte, dass ich jetzt wirklich mit dem Tod spiele.

– Gab es eine Person in deinem Leben - ein Vorbild, einen spirituellen Mentor - die dir wirklich helfen konnte?

Nein, niemand. Ich habe immer versucht, dies mit mir selbst zu klären, mit meiner eigenen inneren kleinen Stimme, die daran dachte, die Behandlung nicht durchführen zu lassen.

Ich kann eine Parallele zum Laufen ziehen: wenn du einen Halbmarathon machst und bereits auf dem zehnten Kilometer diese kleine Stimme in dein Ohr flüstert, dass es zu viel wird, müsst du damit genau auf die gleiche Weise umgehen. Nur hier flüsterte die Stimme, dass mein Leben sowieso zusammengebrochen ist und das bisher keinen Sinn ergeben hatte. Das musste ich bewusst unterdrücken.

– Wie hat das gelungen?

Ich stellte mir eine positive Vision vor. Dass ich wieder laufe, dass ich mein Diplom erhalte, arbeite und dass ich für meine Kindheitsträume etwas tun kann. Dass ich einmal etwas Unvergängliches schaffe, was den Menschen und mir auch hilft.

– Hattest du Angst vor dem Tod?

Damals schon.

– Und jetzt?

Jetzt nicht mehr. Das klingt aufschneiderisch, aber mein Gewissen ist ruhig, weil ich weiß, dass ich rein und ehrlich lebe. Ich versuche meinen Schicksalsgenossen zu helfen. Wenn ich in diesem Moment zusammenbrechen und sterben würde, würde ich sagen, dass ich mit gutem Gewissen gehe.

– Wenn ich es gut verstehe, hat der Tod deinem Leben einen Sinn gegeben?

Ganz und gar. Und ich vertrete das auch: das Gesicht des Todes erwachte mich und hat mich zum Leben erweckt. Diese Krankheit ist einer der größten Segen meines Lebens.

– Also gibt es eine Wiedergeburt noch vor dem physischen Tod? Wie eine geistige Wiedergeburt?

Ja, und sogar mehr! Nach der Behandlung war meine Verdauung ziemlich gestört, und ich begann in medizinischen Artikeln zu recherchieren um festzustellen, ob es eine Ursache im Nervensystem gibt. Stell dir mal eine Antibiotikum-Kur vor: ich nahm die Medikamente morgens und nach einigen Stunden fühlte ich mich wiedergeboren. Es ist schwer zu erzählen, aber diese chemischen Verbindungen haben ernste Auswirkungen auf das Denken und Verhalten des Menschen.

– Glaubst du an die Wissenschaft der Medizin?

Ja. Sie hat mein Leben gerettet.

– Du hast die Tabus erwähnt. Wenn du möchtest, wird es aus dem Interview ausgelassen. Hat sich die Männlichkeit nach der Behandlung erholt?

Ja, völlig. Das Wunder des menschlichen Körpers ist, dass wenn eine Hälfte von einem paarig angelegten Organ entfernt wird, die andere Hälfte ihre Funktionalität übernehmen kann.

– Und was ist mit dem Thema Spiritualität?

Vorher war ich nicht religiös, aber danach habe ich auch nicht konvertiert.

– Lassen wir jetzt die Religion...

Ich stand vor dem Tod. Während der Behandlung hörte ich große Schreie und Gespräche im Flur des Krankenhauses: zum Beispiel legte jemand „sein Leben in Gottes Hände“, und jemand starb neben mir in dem Krankensaal. Ich blieb ständig an der Grenze der Rationalität, wollte meinen Realitätssinn nicht verlieren. Ich bereitete mich auf die Universitätsprüfungen vor und nach einer Weile wartete ich schon darauf, dass ich zur Chemotherapie gehe und das Zellgift bekomme. Ich wusste, dass die Medikamente mich retten würden, also dachte ich nicht einmal an religiöse oder spirituelle Alternativmedizin.

– Woran glaubst du denn?

An den grenzlosen menschlichen Willen, an die Unbesiegbarkeit des Instinkt des Lebenswillens, an die Kraft der Ausdauer, Leidenschaft, Neugier und Liebe. Daran, dass man nur dann gesund bleiben kann, wenn seine Seele auch gesund ist. Daran, dass wir solange unseren Weg suchen sollen, bis wir den einmal finden. Manchmal kommt die Hilfe, die Anleitung in einer Form, an die wir nicht einmal denken würden. Daran, dass alles einen Grund hat, auch die schlechtesten, schmerzhaften Sachen. Daran, dass die Selbsterkenntnis, das Leben einen autodidaktischen Charakter haben, den es uns manchmal auf Kosten des größten Leidens zeigt. Die Frage ist, wie wir diese wahrnehmen: als Tragödie und Schlag oder als Segen.

– Was machst du jetzt?

Viele Menschen versuchen zu fliehen vor dem was passiert ist, sie wollen nie wieder ein Onkologie-Institut, ein Krankenhaus oder einen Arzt sehen. Ich mache eben das Gegenteil: ich gehe zurück zu dem Ort, an dem ich die schmerzhaftesten Momente meines Lebens erlebt hatte. Für eine der Nachwirkungen der Krankheit entwickle ich ein medizintechnisches Gerät: einen heizbaren Handschuh mit Sensoren, der anstelle von gefäßerweiternden Medikamenten eine Lösung für das Raynaud-Syndrom (vorübergehendes Starrheit der Gliedmaßen und Verfärbung, mit Schmerzen) bieten kann. Mein ingenieurisches Selbst hat seinen Zweck gefunden.

– Wie geht es dir jetzt?

Seitdem habe ich das Gefühl, wach zu träumen. Trotz der Epidemie und des Weltuntergangsgefühls fühle ich mich glücklicher und gesünder als je zuvor. Ich wurde letzte Woche aus dem Kollegium rausgepackt, aber nachdem ich viermal umgezogen war, konnte ich das Problem endlich erfolgreich lösen. In der Vergangenheit war ich schon in vielmehr schwierigeren Situationen…

– Was sind deine ferneren Pläne?

Wegen dem Flow-Erlebnis wurde ich völlig süchtig nach dem Laufen, und außerdem kann ich meinen Kollegen ein positives Zukunftsbild setzen, dass es möglich ist, auch nach einer solchen Krankheit wieder ins Leben zurückzukehren. Während der Behandlung musste ich sogar im Treppenabsatz anhalten, um mich auszuruhen. Damals war ich völlig zerbrochen. In dem Onkologie-Institut bildet sich heutzutage ein Laufteam mit Ärzten, aber das steckt noch in den Kinderschuhen.

Ich entwickle dieses Medizinprodukt und habe heute mit den Ärzten darüber gesprochen, dass die Ethik-Lizenz langsam fertig wird. Es ist mein großer Traum, einen solchen, von Ungarn entwickelten Handschuh zu haben.

Außerdem habe ich angefangen, ein Buch zu schreiben. Es geht nicht nur um Schicksalsgefährten und Krebs. Ich möchte vielmehr denen helfen, die ihre Lebensmotivation verloren haben. Es ist nicht notwendig, dass jeder einen so drastischen Schlag vom Leben bekommt, um den Sinn seines Lebens zu erkennen, denn jedes menschliche Leben hat seinen eigenen Zweck. Es ist ein langer Prozess, aber jeder hat eine Aufgabe, mit der man die Welt zu einem besseren Ort macht. Für mich ist es schon leicht, weil ich meine Ziele bereits gefunden habe.

– Was würdest du denen sagen, die ihren Platz in der Welt nicht finden können?

Wir können immer für unsere Mitmenschen und für uns selbst tun. Ich befand mich selbst in der Kampagne gegen Krebs, aber es könnte für jemand anderen die Kunst oder der Sport sein…. Alles, was auch für andere nützlich ist.

*

Man würde denken, dass sich das Obige am wenigsten um uns handelt. Wenn wir uns jedoch trauen, zwischen den Zeilen zu lesen, befinden wir uns selbst irgendwo in der Geschichte. Philosophen und Wissenschaftler haben lange nach der Antwort auf die Existenz der Welt jenseits der Materie, der Welt der Seele und des Transzendenten gesucht. Obwohl unser Glaube anders ist, kommen wir uns alle in eine Richtung voran, nämlich: Tod. Dagegen können wir nichts tun, aber wir können den Totentanz des Geistes durchfahren - noch bevor der physische Tod kommt -, um endlich aus dem Albtraum der Untätigkeit aufzuwachen und etwas für uns und die Welt zu tun. Wenn Sie mir nicht glauben, glauben Sie Berci!

Foto @zsombito

Post CommentLeave a reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.