Novák Zsombor Péter | zsombito

Furkó Kálmán, az evezős

Kálmán Furkó, der Ruderer

in Exkluzív interjúk - Exklusive interviews

Vierzehnfacher ungarischer Meister, U23-Europameister, U23-WM-Bronzemedaillengewinner, Uni-Weltmeister, Weltmeister bei den Erwachsenen, Vierter, und jetzt Europameister bei den Erwachsenen. Es ist schwer die Meistertitel im Kopf zu halten, aber ich bin sicher, dass der Besitzer dieser Auszeichnungen ein Typ ist, von dem wir alle etwas lernen können. Ich kenne Kálmán Furkó – dessen namensgebender Großvater ein 8-Dan-Karatemeister ist – aus Szolnok seit seiner Kindheit als Familienfreund und Sportler. In diesem Monat fanden die Ruder-Europameisterschaften in Italien statt, wo für ihn und seinen Partner, Bence Szabó aus Győr, erneut die Ungarische Nationalhymne erklang. Ich habe mit Kálmi über seinen Weg bis hier gesprochen. Hier ist also ein freundliches Gespräch, das einige sehr ernste Werte vermitteln soll:

Die erste Frage, die ich jedem stelle, ist: wovon hast du als Kind geträumt?

- Als Kind war ich nicht wirklich an Sport interessiert, ich interessierte mich mehr für Autos und Angeln. Ich wollte schon immer ein cooles Auto haben.

Hattest du familiären Druck in Richtung Sport?

- Mein Großvater war ein bekannter Ausbilder beim Militär, und die Geschichte des Kyokushin-Karate in Ungarn ist mit seinem Namen verbunden, er hat in diesem Sport Großes geleistet. Ich treibe schon seit der Grundschule Sport, ich habe von der ersten bis zur vierten Klasse Judo gemacht, aber danach habe ich nicht mehr mit Karate weitergemacht. Jedenfalls hatte ich nie das Gefühl, dass es von mir erwartet wurde, Karate zu machen. Natürlich hätte sich mein alter Großvater darüber gefreut, aber ich glaube, er hat sich nach einer Weile damit abgefunden, dass ich mich nicht für Karate entschieden habe.

Shihan Kálmán Furkó, 8-Dan-Meister, "der Ungarische Samurai"
/ Foto: fight.hu /

Wie kam es überhaupt zum Rudern?

- Nach vier Jahren Judo habe ich mit dem Kajakfahren angefangen, aber ich habe es als nicht ernsthaft genommen. Manchmal ging ich hin, manchmal nicht, man musste mich immer wieder "treten", um zum Training zu gehen, und schließlich hörte ich auch damit auf. Dann habe ich fast anderthalb Jahre keinen Sport gemacht, aber es fing an, mich so sehr zu stören, dass ich mich fragte, welchen neuen Sport ich ausprobieren könnte. Ich dachte an Fußball, aber da ich im Grunde ein scheues Kind war, dachte ich mir, dass ich zwei Freunde habe, die gut im Sport sind – dich und deinen Bruder, Edvin –, Edvin also entschied ich mich es mit Rudern zu versuchen. Und es war sehr bezaubernd, ich weiß sogar noch genau, welcher Tag es war. Ich habe es nicht bereut!

Welcher Tag war das?

- Donnerstag. Nach ein paar Monaten habe ich festgestellt, dass ich seit dem ersten Training jeden Tag im Bootshaus bin. Es war eine gute Gemeinschaft, sie haben mich schnell aufgenommen, also bin ich dabei geblieben.

Was hat dich dazu bewogen, den Sport ernster zu nehmen?

- Zum Glück hatte ich unzählig viele gute Beispiele vor mir. Als ich 2010 mit dem Rudern begann, war das Simon–Juhász Duo bereits U23-WM-Silbermedaillengewinner und qualifizierte sich später für die Olympischen Spiele. Bence Vallyon und dein Bruder waren auch Mitglieder der Nationalmannschaft und nahmen regelmäßig an den Weltmeisterschaften teil. Am Anfang habe ich natürlich nicht für die Nationalmannschaft trainiert, es hat mir einfach Spaß gemacht. Dann wurde ich bei meinem allerersten Nationalmannschaftswettbewerb unerwartet Dritter im Einzel, was bedeutete, dass ich Mitglied der Junior-Nationalmannschaft im Vierer war. Das war der Beginn von etwas Neuem.

Was ist in dir vorgegangen?

- Es war so ein riesiges Erlebnis für mich, dass ich anfing zu denken, dass ich vielleicht endlich etwas mit meinem Namen machen könnte, nur in einer anderen Sportart.

Hast du deine Berufung gefunden?

- Ja. Bis heute bin ich noch sehr kleinmütig, deshalb war es wirklich seltsam, etwas erreicht zu haben, aber...

Sorry für die Unterbrechung. Wie kannst du dich kleinmütig bezeichnen, wenn schon zweimal die Ungarische Nationalhymne für dich erklungen wurde?

- Es hat sich im Laufe der Jahre viel verbessert, aber ich kann es nicht erklären, ich war schon immer so.

Und bist du dann auf dem Spielfeld anders? Ich denke, dass du dich dort „umstellen“ kannst.

- Ja. Auch wenn ich weiß, dass es Leute gibt, die auf dem Papier besser als ich sind, wie zum Beispiel ein Olympiasieger, der neben mir rudert, gehe ich trotzdem mit dem Selbstvertrauen in die Runde, dass ich jeden besiegen kann. 

Hat dir jemand diese „Umstellung" beigebracht oder ist es genetisch in dir?

- Niemand hat es mir beigebracht, aber die Routine ist wichtig.

Du bist noch jung, trotzdem frage ich dich: hattest du jemals eine große Enttäuschung auf deinem Weg, von der du dich nur schwer erholen konntest?

- Praktisch habe ich relativ schnell ein hohes Niveau in meiner Altersklasse erreicht, die ungarischen Meistertitel kamen schön, ich habe auch den ungarischen Rekord in der Ergometer-Meisterschaft als Leichtgewichts-Junior gebrochen, aber als ich bei den internationalen Wettkämpfen war, kam dann die kalte Dusche. Tatsächlich bin ich zwischen 2014 und 2018 immer enttäuscht von den Europa- und Weltmeisterschaften zurückgekommen.

Hast du daran gedacht, aufzuhören?

- Nur im Jahre 2018, als die Europa- und Weltmeisterschaften schlecht liefen und ein Wirbelbogenriss dazwischenkam. Schlechte Phase, schlechtes Jahr, ich musste Monate auslassen und habe mich dann gefragt, warum ich das alles mache.

Und wie hast du es geschafft, dich von dieser Serie von Misserfolgen zu erholen?

– Nekem nem volt elég az, hogy csak magyar bajnok legyek. Az fogalmazódott meg bennem ekkoriban, hogy ha nem sikerül elérni a célomat, akkor az motivál, hogy megkeressem az okokat és kijavítsam őket, ha sikerül elérni, akkor pedig az motivál, hogy még jobb legyek. Aztán a felépülés után szinte rögtön egyéni csúcsot húztam ergón, és életem legjobb szezonja következett. Ilyen a sors fintora.

Wer war die Person, die dir damals psychisch und körperlich geholfen hat?

- Ich habe viel mit deinem Bruder Edvin geredet, er hatte ja ähnliche Probleme, aber das meiste habe ich allein bewältigt. Später sprach ich ein paar Mal pro Woche mit einem Sporttrainer, aber das war erst, nachdem ich mich erholt hatte.

Machen wir einen Sprung nach vorne: wie hast du dich gefühlt, als dir die Europameisterschafts-Medaille um den Hals gehängt wurde?

- Ich war berührt. Von dem Moment an, als ich anfing, ernsthafter Sport zu treiben, war es mein Traum, dass eines Tages die Ungarische Nationalhymne für mich/uns gespielt wird. Es war eine schüttelfrostartige Erfahrung.

rechts Kálmán Furkó, sein Trainer Dezső Molnár, Kapitän des Ungarischen Ruderverbandes, links Bence Szabó, sein Trainer Zoltán Alföldi
/ Foto: Balint Cucz /

Herzlichen Glückwunsch!

- Danke, danke.

Du hast also die internationalen Gewässer erreicht. Was bedeuten dir der Fluss Theiß und die Stadt Szolnok nach all diesem?

- Mein Vater ist ein großer Angler, ich war auch, bevor ich mit dem Rudern angefangen habe. Ich habe das Angeln wettbewerbsmäßig gemacht. Mit der Theiß bin ich also schon seit meinem Säuglingsalter verbunden. Es gibt etwas, was mir das Gefühl der Beruhigung gibt, ich habe viele gute Erlebnisse damit verbunden.

Was ist dieses Etwas?

- Die Natur. Es ist schwierig, richtig zu formulieren, offensichtlich verstehst du das, weil du auch hier aufgewachsen bist. Die frühmorgendlichen Trainings sind die besten Beispiele: man ist mitten in der Theiß, man spürt das Leben in ihr, die Strömung, die Wasserwirbel, das Treibgut, es ist niemand da, alles in voller Stille, die Sonne geht auf, und man kann dies alles beobachten. Das ist es alles wert.

Fühlst du dich wie zu Hause?

- Sehr. Jetzt, wenn wir gerade darüber reden, vermisse ich es auch schon.

Szolnok, Ungarn, mit der Tiszavirág Brücke im Hintergrund
eingereichtes Foto

Und die Stadt?

- Die Stadt genauso. Ich bin in die innerstädtische Grundschule gegangen, dann in das Széchenyi Gymnasium, alle haben mich im Sport unterstützt und haben viel zu meiner Karriere beigetragen.

Übrigens, wie ich dich kenne, spüre ich, dass du ein stärkeres Nationalbewusstsein hast. Stimmt das?

- Ja, ja.

Glaubst du, dass ein Spitzensport ohne das auch funktionieren kann?

- Ich glaube nicht, dass es nur ein "Kampf der Nationen" wäre. Wenn ich zum Beispiel an die Startlinie gehe, denke ich nicht, dass ich es nur für mein Heimatland tue. Ich gewinne diese Medaillen eher für mich, meine Familie und die Menschen, die mir dabei helfen. Aber ich kann dir mehr über die Nationalhymne erzählen.

Erzähle dann, bitte!

- Ich habe schon oft im Fernsehen gesehen, dass für einen ungarischen Sportler die Nationalhymne ertönt, und das hat mich immer sehr berührt. Ich habe es mir zum Ziel gesetzt, mindestens einmal in meiner Karriere sie für mich und das Team ertönen zu lassen. Das erste Mal war vor zwei Jahren, und ich war und bin immer noch gerührt. In der Zwischenzeit ist all das Training und die Opfer, die ich im Laufe der Jahre investiert habe, vor meinen Augen aufgeblitzt. Ich wünschte, alle Sportler könnten diese Erfahrung machen!

Dann muss du sie gewinnen lassen...

- Okay, dann würde ich eher sagen; alle ungarischen Sportler.

Es muss ein besonderes Gefühl sein, ich habe mich danach auch gesehnt, aber leider konnte ich es nie erfahren.

- Ich habe jetzt schon zwei, ich gebe dir einen und lege ihn in ein Einweckglas. (wir lachen)

Bist du übrigens noch von deinem Großvater und seiner erfolgreichen sportlichen Vergangenheit beeinflusst?

- Ich würde lügen, wenn ich nein sagen würde. Ich habe von vielen Leuten gehört, dass sie nicht in meiner Haut stecken würden, was für eine Last es sein kann, mit diesem Namen zu leben und Sport zu treiben. Das habe ich nicht gedacht. Es wurde mein Ziel, dass der Name Kálmán Furkó eines Tages nicht für das Karate, sondern für das Rudern berühmt wird. Versteh mich bitte nicht falsch, ich will nicht im Rampenlicht stehen, aber die Leute fragen mich oft, wenn ich mich vorstelle, ob ich etwas mit "Kálmán Furkó, dem Karatemeister" zu tun habe. Wenn mich mal jemand fragen würde: „bist du der Ruderer Kálmán Furkó?" – nun, das wäre ein unglaubliches Gefühl!

Wenn du etwas in der Welt des Sports ändern könntest, was wäre das?

- Leider wird der Sport immer mehr zu einem geldbringenden Geschäft. Es kommt nicht auf die Leistung und die Ergebnisse an, sondern darauf, wie verwertbar und sehenswert die Ergebnisse sind. Das würde ich nicht als Hauptaspekt ansehen, wie man möglichst viel Geld mit den jeweiligen Sportarten verdienen kann.

Aber die Leistung kann auch zwanghaft werden, eine Art schädliche Sucht...

- Natürlich lebe ich auch unter Leistungszwang. Ich habe sehr hohe Erwartungen an mich selbst, ich möchte meine Grenzen immer wieder überschreiten. Nun, beim Spitzensport geht es nicht um Gesundheit, aber es macht mir Spaß und gibt mir viel Kraft.

Wie lange wird es dauern?

- Natürlich ist es endlich, aber ich möchte es gerne noch ein paar Jahre lang machen. Aber es wäre nicht gut, mit 30 immer noch bei meinen Eltern zu wohnen, doch vom Sport kann ich ja nicht zurechtkommen.

Studierst du noch, nicht wahr?

- Ja, ich möchte später Trainer sein. Es gibt so viele talentierte Menschen, es wäre Schande, sie verkommen zu lassen. Jetzt bin ich an der Universität für Leibeserziehung und Sport in Budapest, aber ich bekomme auch viel Wissen von meinem Fitnesstrainer (György Szigeti).

Wie fühlst du dich in diesem Moment, wenn du an das Boot denkst?

- Aufregung. Schon während der Zeit des Gymnasiums hatte ich 12 Trainings in der Woche, ich besuchte die ersten Unterrichte immer nach dem Morgentraining, das kennst auch du gut. In der Schulbank sitzend habe ich praktisch ständig ans Rudern gedacht. Ich träumte davon, auf der Theiß zu rudern, die Bewegungen zu machen, einen Wettbewerb zu gewinnen. Es ist lustig, denn ich verstand nicht, wie es möglich ist, bis 7:30 zu schlafen und trotzdem müde zur Schule zu kommen, und die anderen verstanden nicht, wie ich vorher trainieren konnte. Das erste Mal, dass ich mit meinen Klassenkameraden gefeiert habe, war zum Beispiel auf der Afterparty nach der Abiball. Trotzdem habe ich viel Hilfe von ihnen bekommen, es entstand ein gegenseitiger Respekt, und so war es auch mit den Lehrern. Mit vielen von ihnen stehe ich immer noch im Kontakt.

Und abgesehen vom Sport, hast du noch andere Hobbys oder Interessen, die dein Leben bestimmen?

- Nein, nur der Sport.

Und wie stehst du zu der Frage des Glaubens?

- Ich glaube an Gott und nehme Jesus an, aber ich gehe nicht in die Kirche, das gehört nicht zu meinem Alltag.

Wir können die Religion lassen, mich interessieren vor allem deine inneren Überzeugungen.

- Wenn es brenzlig wird, schaue ich zum Himmel, bete ein wenig und glaube, dass ich eine Art göttliche Hilfe bekomme. Aber das hängt von meinem Seelenzustand ab.

Hattest du schon Todesangst oder eine Nahtoderfahrung gemacht, weil du, sagen wir, so überanstrengend warst?

- Einmal, bei der Weltmeisterschaft in Sarasota: hohe Luftfeuchtigkeit, 40 Grad und die Last, zum ersten Mal nach seit zehn Jahren die U23-WM-Medaille für Ungarn zu gewinnen. Dann sind wir Dritter geworden. Ich war so müde, dass ich es kaum bis zur Preisverleihung geschafft habe. Das medizinische Personal wollte mich nicht einmal zur Preisverleihung gehen lassen. Sie legten mir eine Sauerstoffmaske und ein Blutdruckmessgerät an, aber ich belog die Ärzte und sagte ihnen, dass es mir besser ginge. Ich sammelte alle meine letzte Kraft und erhielte die Medaille. Dann habe ich eine Stunde lang erbrochen...

Wie war dein Bewusstsein während den körperlichen Leiden?

- Ich wusste, dass es nicht mehr gut für meine Gesundheit ist, aber es war mir egal. Ich sagte mir, dass es sich für die Medaille lohnt.

Hast du nach all dem Schmerz und Leid immer noch Angst vor etwas?

- Vor einer erneuten Verletzung der Wirbelsäule, aber ich arbeite jeden Tag hart an der Prävention.

Was ist deine Hauptmotivation heute?

- Am Ende des Jahres sind die Weltmeisterschaften für Erwachsene in China, und nach dem Sieg bei der Europameisterschaft denke ich, dass wir gute Chance haben, Gold zu gewinnen.

 Und hast du auf das coole Auto verzichtet?

- Nein, tatsächlich stehe ich kurz vor dem Kauf meines ersten Autos.

Wirst du damit zur Trainings fahren

- Ja, ja, ich werde faul.

Eine letzte Frage: hast du auf deinem bisherigen Weg irgendeinen Gedanken gehabt, den du als Wert an andere weitergeben möchtest?

- Finde etwas, was du gerne tust, und mache dann das mit voller Herzensabsicht! Ohne dieses Gefühl ist es scheiße morgens aufzustehen...

*

Azt mondanom sem kell, hogy „Ki a Tisza vizét issza, annak szíve vágyik vissza.”   Az otthonérzést nyújtó folyó és természet szeretete mellett a fenti történet egy igen ritka erényről tesz még tanúbizonyságot, melyet manapság – és mindenkor – csak kevesek tudhatnak magukénak. Mégis „a sors furcsa fintorának” köszönhetően időnként kimagaslanak embertársaink közül olyanok, akiktől megtanulhatjuk, hogy a türelem és a kitartás mekkora erőt adnak céljaink eléréséhez. Ez az erő – mely mélyen ott rejlik ist die Demut. Kálmi, wir danken dir!