Novák Zsombor Péter | zsombito

Levél Tamás rabbinak

Ein Brief für Rabbi Tamás

in Személyes történetek - Personal Stories

Lieber Tamás!

In diesem Brief wende ich mich an dich als an meinen geistigen Mentor, an den Lehrmeister des Judaismus, und mit deiner Erlaubnis - hinsichtlich des ehrlichen Tons des Briefes - auch als an einen Freund. Ich wage diesen edlen Begriff zu verwenden, weil für mich der Begriff der Freundschaft, der auf Vertrauen und Ehrlichkeit beruht, die Dimension ist, in der ich wirklich über die wesentlichen Dinge im Leben sprechen kann. Und was die Essenzen des Lebens betrifft, denke ich, dass ich dir jetzt die wichtigste Geschichte mitteilen werde, die ich auf meiner irdischen Reise erlebt hatte. Ich muss eine kleine Zeitreise machen, um zum Hauptpunkt der Geschichte zu gelangen und klar zu sehen, wie weit ich in dem komplexen System der spirituellen Welt gekommen bin.

Hinsichtlich meinen Wurzeln wurde ich in eine religionslose Familie hineingeboren, in der ich weder auf das Konzept der Religion noch auf den Glauben stieß. Ich verbinde mein Selbstbewusstseinserwachen mit der Scheidung meiner Eltern, da ich durch den tiefen Schmerz, den ich zu dieser Zeit erlebt hatte, meine Existenz realisiert habe. Ich war damals sechs Jahre alt. Als Kind geschiedener Eltern bin ich - nach der üblichen traurigen Art - aufgewachsen. Das Bekenntnis meines Vaters beruhte auf der Liebe zum Sport und zum Fluss Theiß, und das meiner Mutter beruhte auf unserer Fürsorge, die endlose Geduld und Ausdauer erforderte. Harmonie dagegen war nie zu Hause. Etwa zehn Jahre später beschloss ich, mich aus meiner Umgebung herauszureißen. Ich hatte die Gelegenheit zu einem Austauschprogramm für Gymnasialschüler, damit ich ein ganzes Jahr in Ecuador leben konnte. Dies war der Zeitpunkt, an dem ich zum ersten Mal in meinem Leben auf das Konzept von Religion und Gott stieß. Mein Glaubensbekenntnis beruhte auf die Naturwunder, auf dem Tanz, auf der Kraft der Musik, auf dem Lernen über fremde Kulturen, aber vor allem auf dem Wunsch, Frieden in der Familie zu schließen. Also am Äquator entlang betete ich zuerst bewusst, ging in die Kirche, diskutierte mit meiner Altersklasse und mit Erwachsenen über den Glauben und lernte täglich etwas über Jesus.

Bis ich, basierend auf dem Lebensstil eines Leistungssportlers angefangen habe in den Anden bergzusteigen. Mit einem deutschen und einem schweizerischen Freund beschlossen wir, den höchsten aktiven Vulkan der Welt zu besteigen, den mit ewigen Schnee- und Eisplatten bedeckten Cotopaxi. Die Spitze des Berges ist 5897 Meter hoch. Wir haben professionelle Ausrüstung gemietet, andauernd trainiert und dann haben wir gemeinsam unterfangen um die indianischen Berge zu erobern. Nach der erfolgreichen Besteigung mehrerer Berge über 4.500 Meter, war Cotopaxi an der Reihe: tagelanger Frost, starker Wind, Genuss steinhart zugefrorener Getränke und Lebensmittel, schneller Herzschlag, Schlafmangel, Sauerstoffmangel. In diesem Zustand haben wir uns von 4.800 Metern auf den Weg zur beinah zehnstündigen Fahrt gemacht. Wir waren schon um bei der Höhe von 5500 Metern, als ich realisiert habe, dass ich ständig bete. In meinen Gebeten kommt auch Jesus vor, von dem ich schon besonders viel gehört habe. Ich hatte das Gefühl, dass ich dank dem Gebet den Gipfel erreichen konnte und auf der Spitze der Welt stehend meine Tränen vergießen und die ungarische Flagge schwenken konnte.

Während meines Aufenthalts in Ecuador wurde aus dem Gymnasium in Szolnok eine kirchliche Einrichtung, die für mich - im Gegensatz zu meinen Schulkameraden - überhaupt nicht mehr fremd war. Und da die Theologie nicht obligatorisch war, habe ich mich entschieden, allein, aus allen Klassen von zwei Schulgängen, über den katholischen Glauben zu lernen. Eine Nonne hat für mich zwei Jahre lang Stunden gehalten. Um ehrlich zu sein, muss ich an dieser Stelle sagen, dass ich mit 18 Jahren als Ergebnis all dessen die katholische Religion aufgenommen habe. Meine Familie hat das natürlich nicht verstanden, und obwohl ich weniger bewusster als heute war, begann ich praktisch damals den Weg der Religion zu betreten, den ich selbst für mich zu beschreiten begann. Um die Wahrheit zu sagen, waren die Messen nichts für mich, aber was noch wichtiger ist, dass ich nicht an Gott geglaubt hatte. Daher konnte ich mich nicht ernsthaft in den Katholizismus vertiefen. Jahre später befand ich mich in der Synagoge der Vasvári Pál Straße, wo ich mich seltsamerweise sehr zuhause fühlte, als wäre ich heimgekehrt. Nun habe ich mich in das Judentum verliebt. Seitdem ist einen bestimmten Teil meines Wegs auch für dich bekannt: ich habe jahrelang die Gemeinden in Budapest besucht, das Studieren der Religion formte sich zu einer alltäglichen Tätigkeit, ich war mehrmals in Israel und über den Gedanken der Einkehr philosophierend - es ist schon vier Jahre her - habe ich mich auf das Rabbinerseminar von Budapest gemeldet. Aus der Liebe wurde Verpflichtung.

Jahre später befand ich mich in der Synagoge der Vasvári Pál Straße, wo ich mich seltsamerweise sehr zuhause fühlte, als wäre ich heimgekehrt. Nun habe ich mich in das Judentum verliebt. Seitdem ist einen bestimmten Teil meines Wegs auch für dich bekannt: ich habe jahrelang die Gemeinden in Budapest besucht, das Studieren der Religion formte sich zu einer alltäglichen Tätigkeit, ich war mehrmals in Israel und über den Gedanken der Einkehr philosophierend - es ist schon vier Jahre her - habe ich mich auf das Jüdisches Theologisches Seminar von Budapest gemeldet. Aus der Liebe wurde Verpflichtung.

Aufgrund meiner Sensibilität habe ich mein ganzes Leben lang drinnen ums Überleben gekämpft. Was habe ich ununterbrochen gesucht? Meiner Ansicht nach was alle Menschen verstehen wollen: worum geht es wirklich in unserem Leben, machen Leiden und Tod Sinn, sind wir uns selbst überlassen oder gibt es einen universellen, alles durchdringenden Intellekt? Dennoch betrachtete ich die Religionen als wäre ich ein Biologe, der die Zelle mit dem Mikroskop betrachtet: ich zerlegte sie, betrachtete ihre Form, ihre ausgeprägten Zeichen, die Verbindungen, die Wechselwirkungen mit anderen Materialien, ihre Menge, aber meine Mittel sahen den wesentlichen Inhalt nicht.

Vor dem Sabbat letzter Woche, der gerade am Tag der Allerheiligen war, habe ich zwei Freunden in Ostungarn; einen reformierten Pfarrer und einen katholischen Priester besucht. Ich kann sie auch als meine Mentoren betrachten, mit denen ich ein Zeugnis von wolkenloser Ehrlichkeit und Vertrauen erleben kann. Wir sind Freunde. Nach ihrem Besuch und dem Besuch des Grabes des Wunderrabbis in Nagykálló bin ich in Nyíregyháza in den Zug gestiegen, wo mir gegenüber ein freundlich lächelnder Herr mit dem Buch „Priest“ in der Hand gesessen hat. Während der Zugfahrt saß er später neben mich und sagte: „ich sitze zu meinem kleinen Freund." Er sagte, er sei ein reformierter Pfarrer, und dann unterhielten wir uns miteinander den ganzen Weg nach Szolnok. Und währenddessen ist etwas passiert.

Wie könnte ich das formulieren, was mein kindlicher Glaube nicht kann? Ich gelang in einen außergewöhnlichen, geänderten Zustand des Bewusstseins: ich habe es nicht nur gefühlt und gewusst, sondern war auch davon überzeugt. Es zaubert ein breites Lächeln auf mein Gesicht, wenn ich an diesen Zustand denke, aber ich lächele dann nicht in meiner Qual, sondern in meiner Freude, allein wegen meiner mangelnden Begriffsausrüstung kann ich die Erlebten nicht so richtig ausdrücken.

Es war seitdem der schönste Samstagsempfang meines Lebens. Früher kam ich in die Synagoge als ein Wanderer, der verzweifelt nach seiner langjährigen Einsamkeit ist, der nicht einmal Früchte von seinem Baum abreißen darf, den er seit vielen Jahren selbst gepflanzt hat und seitdem züchtet. Dieser Samstag war aber ganz anders: in der Geborgenheit ausstrahlenden Anwesenheit meines Bruders, die für mich ungewöhnliche Manifestationen seines Interesses genießend, in der Freude über die ehrenvolle Teilnahme des Pfarrers, den er an diesem Tag kennengelernt hatte, versorgt mit der Energie, der mit meinen fernen, geweihten Freunden verbrachten Tage, mit deinem unendlichen Wissen vollgesaugt habe ich diesen Samstag empfangen, mit voller Kraft meiner Glaube und sogar meines Bewusstseins. Glaub mir, lieber Tamás, dass ich diesmal übertreiben könnte und sage: ich habe mich noch nie so gesegnet gefühlt. Diese Gesinnung ist ein eindeutiger Paradigmenwechsel in meinem Leben, seitdem erlebe ich unzählige Zweifel, Wonnen, Fragen, Ängste und Fluchten.

Was ist mein Weg? Bin ich dafür geeignet, G’tt zu dienen? Ist es notwendig, dies alles im Rahmen einer einzigen Religion zu tun, und wenn ja, in welcher? Warum fühle ich eine so starke Zuneigung und Bindung zum Judentum? Bin ich durch das Christentum zum Judentum gekommen? Wie ordne ich die Person von Jesus in mir ein? Was ist mit meinen Sünden und mit den Fehlern, die ich auf meinem Weg gemacht habe? Wie kann ich auf diesen Schatz achten? Wie ehrlich kann ich mit anderen sein? Was ist mit meinem eigenen Tod? Darf ich über G’tt sprechen? Worin und wie kann ich glaubhaft sein? Und vielleicht das Wichtigste: was kann ich für andere tun?

Es wäre ehrenvoll, wenn wir uns über dies alles persönlich diskutieren könnten, deine Wegleitungen sind jetzt insbesondere wichtig für mich.

Mit Freundschaft, Zsombor

Grafik: Katalin Matild Nagy matildini.hu

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