Írásaim Religion und Leben

Úton Isten felé

Auf dem Weg zu Gott

in Religion und Spiritualität

Bist du bereit? Dann beginnen wir.

Die erste Straße

Ich muss realisieren: das dritte Auge ist nicht dafür geeignet, nach außen zu schauen, da wir im Grunde genommen schon zwei Augen zum Sehen haben. Es scheint so, als hätten wir den schwerer zu erreichbaren, doch ursprünglichen Zweck der Beobachtungsfähigkeit vergessen: uns selbst beobachten zu können. Obwohl es möglich ist, die geistigen Fähigkeiten nutzen, um Macht über Andere auszuüben, wird das dritte Auge eben deshalb geboren, um das innere Selbst zu untersuchen. Unsere Sinnesorgane - es ist erschreckend darüber nachzudenken - sind so vielen Reizen ausgesetzt, dass die meisten Empfindungen nicht durch die tieferen Siebe unseres Inneren kommen, was offensichtlich auf eine Art Selbstverteidigungsrolle unseres Nervensystems zurückzuführen werden kann. Bevor ich mich auf den Weg gemacht hatte, hatte ich Angst. Kaum bin ich unterwegs, fühle ich mich schon anders. Es gibt jedoch Emotionen, mit denen unser gesamtes Bewusstsein sich identifizieren kann, die unser Handeln für Jahre oder sogar Jahrzehnte bestimmen: ich habe Angst, ich bin verliebt, ich bin frei, ich bin verbunden, ich ströme, ich möchte morden, ich bin der Frieden, ich bin mit Gott.

Ich muss realisieren, dass ich bei der Suche nach dem Transzendenten immer auf Natur, Menschen und Musik zusteuere. Ich habe – jetzt – das Gefühl, dass ich Zweifel an der Musik habe. Oder erwarte ich vielleicht zu viel von ihr? Ich weiß es nicht. Wenn ich allerdings Gott suche, kann ich mich ihm nur von einem objektiven Standpunkt aus nähern, da ich gleichfalls etwas Ähnliches von ihm erwarte. Und Musik scheint, als ob sie irgendwo jenseits von Materie, jenseits von Worten geboren worden wäre, weshalb ich sie so liebe, weil sie fähig ist, eine Art jenseitige Erfahrung zu erregen. Doch was ich mag, wird vielleicht von niemand anderem unbedingt gemocht. Musik kann uns alle also nicht verbinden, sie kann uns nicht alle die gleiche Erfahrung geben. Es erschreckt mich zu glauben, dass Musik uns im gleichen Maße trennt wie verbindet. Ich bin im Zweifel.

Die zweite Straße

Ich suche Gott in den Menschen, also suche ich Gott in mir. Aber bin ich in der Lage mich mit anderen zu beschäftigen, so lange bis ich mich traue, wirklich ich selbst zu sein? In der Vergangenheit suchte ich hauptsächlich nach einer starken Hand bei Menschen, die, obwohl sie größtenteils im Schatten ihres eigenen Egos lebten, mich dennoch davon überzeugen konnten, dass sie mir eine wahrhafte Stütze geben können. Wie viele Menschen leben heute in einer Zwangsbeziehung, einfach nur weil Sicherheit mit Pseudo-Sicherheit verwechselt wird? Übrigens war mein starkes Interesse an Religionen zu dieser Zeit vielleicht dahingehend motiviert, aber es ist jetzt schon weniger wichtig, weil ich die Möglichkeit der Selbsterlösung nicht mehr in Anderen und in Ideologien suche.

Wenn ich ganz bei mir bin, was ich auch die Einheit meine Emotionalität und meine Gedanken nennen kann, lässt mich die Musik doch nicht allein. Musik spricht mich ebendann an, wenn ich sie am meisten brauche. Musik führt mich zurück zu früheren Schmerzen, Zweifeln, unklaren Situationen und ungelösten Gesprächen, um durch ihre Kraft alles zu ordnen, was ich nicht mehr alleine tun kann. Sie konfrontiert mich mit mir selbst. Die Größe der Musik besteht in der Vollständigkeit dieser Momente, denn, wenn die Musik erklingt und als Ergebnis des erlebten Orgasmus ich Gänsehaut bekomme und dort, tief unten im Bauch etwas kribbelt, genau wie kurz vor einer Prüfung, dann denke ich: ja, in der Musik ist Gott. Jedoch dürfen wir nicht vergessen, dass der Schöpfer von Noten der Mensch ist, auch die für die elektronische Musik benötigten Instrumente werden von uns hergestellt. Gibt es überhaupt „unnatürliches“? Wenn wir aus der Ferne auf unseren Planeten zurückblicken, scheint alles nur natürlich. Es scheint, als ob alles nur das Geschöpf menschlicher und göttlicher Phantasie wäre.

Es ist klar, dass der Musikgeschmack in allen historischen Zeitaltern unterschiedlich war und dass die Grundlagen der heutigen Musik aus der Vergangenheit schöpfen. Aber das Lebensgefühl, „in der Gegenwart zu sein“, kann immer nur das Gefühl der Menschen sein, die heute leben. Jeder Musikstil hat also seine Existenzberechtigung. Und da man über Geschmack nicht diskutieren kann, kann Musik selbst kein Diskussionsthema mehr sein. Meine Zweifel an der Göttlichkeit der Musik beginnen sich aufzulösen. Wirst du mich immer noch begleiten?

Die dritte Straße

Wenn ich Viola da Gamba, jüdisch-orthodoxen Kinderchor, Techno- oder Goa-Musik höre, wird einfach ein Lebensgefühl der Ewigkeit, ein Gefühl der Hoffnung in mir geboren. Egal wie klischeehaft es klingt, Gott ist Frieden, und dann glaube ich wieder an die Ideologie des Friedens. Musik ist eine der Gotteserfahrungen. Obwohl ich für den mehr als ein Jahrzehnt langen Dienst des Schreibens dankbar bin, würde ich, wenn ich könnte, jederzeit Wörter mit Musik betrügen. Ja, ich bitte Dich, Musik, lass mich Dir noch näher kommen, lass mich diesen unglaublichen Frieden, den ich Deinetwegen fühle, mit meinen Mitmenschen teilen. Gott, ich rede gerade zu dir, hörst du mir zu, ja? Du liebe Musik, ich würde mit Dir auch Liebe machen, ich würde Dich um jeden Preis beschützen, nur verschwinde nie aus meinem Leben, bitte lass uns nie einander betrügen, denn das wäre ein unerträglicher Schmerz! Du hast König Saul bereits mit Deinen Harmonien in Jerusalem beruhigt, also beruhige mich mit Dir selbst, denn Du bist wer Du bist: Sainte Colombe, Karl Jenkins, The Meshorerim Choir, Paul Kalkbrenner, Levy Falkovitz, Ritmo, Christian Löffler.

Die Straße ohne Zahl

Und Gott sprach: „Lasset uns Menschen machen, ein Bild, das uns gleich sei, die da herrschen über die Fische im Meer und über die Vögel unter dem Himmel und über das Vieh und über alle Tiere des Feldes und über alles Gewürm, das auf Erden kriecht. Und Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn; und schuf sie als Mann und Frau.“

Die andere Gotteserfahrung ist, ohne Zweifel, die sexuelle Verschmelzung in einer Liebesbeziehung und die Schaffung eines neuen Lebens. In diesem Bereich bin ich noch unerfahren, aber in der Liebe habe ich schon einmal Gott gefunden. Ich spreche über die Quellen des Erlebens der Ewigkeit, mein lieber Reisegefährte, das sind keine leeren Worte. Wenn du schon eine davon wirklich gewagt hast zu erleben, dann weißt du, dass es keinen anderen Existenzzustand gibt als die alles überschreibende Gesinnung. Im Namen dieser haben Millionen im Laufe der Geschichte ihr Leben verloren, weil das, was heilig ist, gleichzeitig auch Macht ist. Und woran wir wirklich glauben, kann unser Sinn zu sehen und unsere Beobachtungsfähigkeit - einschließlich unseres dritten Auges - nicht nur klar, sondern auch dunkel und sogar völlig blind machen. Ich weiß nicht, ob ich jemals noch eine solche Gesinnung erleben kann, wenn ich mich an ein menschliches Wesen anknüpfe und dadurch mich mit mir selbst und mit Gott identifizieren kann, wenn sich die beiden verflechten und eins werden, wie die Wurzeln von Waldbäumen, die sich unter der Erde aneinander klammern. Ich weiß nur, dass ich einmal verliebt war und das war göttlich. Jetzt ist nichts mehr übrig geblieben als die Musik, und diese wenigen Straßen, die noch vor mir liegen. Begleitest du mich weiter?

Foto @zsombito

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